6 März 2008

Lust auf Provence?

Posted in Buchtipp, Französische Literatur tagged , um 10:00 am von romartbib

Annick Eimer versucht mit einem kurzen Artikel in der ZEIT, den französischen (Lokal-)Schriftsteller Marcel Pagnol und seine Kindheitserinnerungen deutschen Lesern nahe zu bringen – in Frankreich wäre das kaum notwendig, da seine Souvenirs d’enfance nach wie vor zur kanonischen Schullektüre gehören. Wer sich in noch grauen, kalt-feuchten deutschen Spätwintertagen nach ein wenig Sonnenduft sehnt, sollte es vielleicht mit Pagnol versuchen:

Pagnols Bücher riechen und schmecken nach der Provence. Aus jeder Seite kriecht der Duft der Korkeichenwälder, der Oliven-, Aprikosen- und Mandelbäume. Jeder Satz schmeckt nach Thymian, Rosmarin und Lavendel.

4 März 2008

RELIEF – Revue électronique de littérature française

Posted in Aktuell, Französische Literatur, Romanistik tagged , um 7:45 am von romartbib

Soeben ist die zweite Ausgabe von RELIEF – Revue électronique de littérature française erschienen. Diese Online-Zeitschrift wurde 2007 von einer Gruppe niederländischer Romanisten ins Leben gerufen, die erste Nummer widmete sich Jean-Paul Sartre. Chefredakteur ist Prof. Maarten van Buuren von der Universität Utrecht.

Die Zeitschrift soll zweimal jährlich in Themenheften erscheinen und versteht sich als

… revue internationale qui se concentre sur les pays européens en dehors de la France. Son objectif est de fournir une plateforme pour les chercheurs dans le domaine de la littérature et la culture françaises du moyen âge jusqu’à nos jours.

Die Qualitätssicherung erfolgt im Peer-Review-Verfahren (siehe hier). Alle Artikel sind frei online als PDF-Datei zugänglich.

Die zweite Nummer trägt den Titel Paris, lieu de mémoire und versammelt zu diesem Thema Aufsätze zu Patrick Modiano, Jacques Roubaud, Jean Echenoz, Georges Pérec, Emile Zola und François de Belleforest.

3 März 2008

Johathan Littell im Gespräch (III)

Posted in Aktuell, Französische Literatur tagged , , um 10:19 am von romartbib

Vergangenen Donnerstag hat sich Jonathan Littell in Berlin im Gespräch mit Daniel Cohn-Bendit einem größeren Publikum präsentiert, und die Pressemenschen publizieren ihre Eindrücke:

Wolfgang Schneider im Börsenblatt, Eckhard Fuhr in der WELT, Harry Nutt in der FR, Sieglinde Geisel in der NZZ, Lothar Müller in der SZ, Dirk Knipphals in der taz, Hubert Spiegel in der FAZ. Und bei nonfiction.fr.

22 Februar 2008

Jonathan Littell: Die Wohlgesinnten (II)

Posted in Aktuell, Französische Literatur tagged , , um 10:13 am von romartbib

Morgen gehen „Die Wohlgesinnten“ in den Buchhandel, und da aus diesem Anlass das Medienecho heute bereits erheblich ist und in den nächsten Tagen wahrscheinlich weiter steigt, will ich nochmal einen neuen Eintrag aufsetzen (zum ersten siehe hier).

In der WELT (22.2.08) verweist Rolf Schneider auf den Roman „Der Tod ist mein Beruf“ von Robert Merle, der bereits 1952 – in besserer Qualität, wie Schneider meint – Ähnliches versuchte wie Littell mit den Wohlgesinnten. In der FR sind gleich zwei Artikel den „Wohlgesinnten“ gewidmet: Ina Hartwig betrachtet die von Littell selbst hergestellte Verbindung zur französischen „Philosophie des Bösen“ von de Sade bis Bataille, und Micha Brumlik sieht in dem Buch und dem es umgebenden Hype die Bestätigung von Adornos These: „Alle Kultur nach Auschwitz, samt der dringlichen Kritik daran, ist Müll.“

Burkhard Scherer überlegt in der Berliner Zeitung, warum Littells Roman in Frankreich und nun auch hierzulande ein so starkes, aber auch etwas raunendes Echo erhielt, während Jürg Altwegg von der FAZ in Frankreich bereits die erste Sekundärliteratur zu den „Bienveillantes“ gesehen hat. Auch die SZ widmet dem Thema heute nochmal einen Artikel, diesesmal von Thomas Steinfeld.

Am 23.2. berichtet Dirk Knipphals in der taz, dass ihm die Lektüre nicht viel Vergnügen bereitet hat. Auch die Kritiker der NZZ sind eher skeptisch (hier und hier).

Von all den mäkelnden Kritiken hat Klaus Theweleit gründlich die Nase voll und schreibt in der FAZ am Sonntag (24.2.) eine Replik (auch im Reading Room); in der taz vom 28.2. läßt er die bisherige deutschsprachige Kritik nochmal Revue passieren mit einem besonderen Augenmerk auf das Verhältnis der Rezensenten zu Frankreich.

Im März wird auf ARTE noch zweimal die Fernsehdokumentation über Littell und seinen Roman wiederholt; und die ausführliche Besprechung des Buches von Wolfgang Schneider auf Deutschlandradio ist hier nachzulesen und nachzuhören.

Visionäre Zeichnungen von Victor Hugo

Posted in Aktuell, Ausstellung, Französische Literatur, Graphik tagged , , um 9:01 am von romartbib

… kann man derzeit – noch bis zum 18. Mai 2008 – in der Fondation de l’Hermitage in Lausanne am Genfer See betrachten. Die etwa 90 ausgestellten Bilder, die durch Fotografien, Büsten, Manuskripte und Plakate ergänzt werden, entstanden vorwiegend zwischen 1852 und 1870, in der Zeit von Hugo’s Exil auf Jersey und Guernsey. Wer keine Gelegenheit hat, in die Schweiz zu fahren, kann sich immerhin den Katalog ansehen: Victor Hugo – dessins visionnaires. Mailand: 5 Continents, 2008 (bald in der Bibliothek).

Caroline Kesser, die in Hugos Zeichnungen „Ausflüsse seines Schreibens, Illustrationen, Ergänzungen und Vertiefungen zu literarisch verarbeiteten Themen“ sieht, empfiehlt die Ausstellung in der NZZ und resümiert:

„Hugos Zeichenkunst wurde im 19. Jahrhundert wohl beachtet, doch vor allem von Literaten. War Baudelaire von «jener prächtigen Imagination» begeistert, «die in Victor Hugos Zeichnungen waltet, wie das Geheimnis am Himmel», fiel Gautier bereits das Wirken seiner «unbewussten Hand» auf. Victor Hugo hat den Gang der Kunst nicht beeinflusst, aber Zentrales vorweggenommen, von Kandinskys Abstraktion über Dada und den Surrealismus bis zum Tachismus hin.“

19 Februar 2008

Alain Robbe-Grillet, der „Papst des Nouveau Roman“, ist gestorben

Posted in Aktuell, Französische Literatur tagged , um 7:33 am von romartbib

In der Nacht von Sonntag auf Montag ist Alain Robbe-Grillet an den Folgen eines Herzinfarktes 85jährig gestorben. Der „Papst des Nouveau Roman“ hatte zuletzt 2007 mit der Veröffentlichung von Un roman sentimental von sich reden gemacht. Hier findet sich ein ausführliches Interview mit ihm von 2001. Nachrufe in der NZZ, der WELT, der FAZ, der FR, der taz und der SZ vom 19.02.2008.

8 Februar 2008

Robert Massin, das Gesicht hinter der Typographie von Gallimard

Posted in Buchtipp, Frankreich, Französische Literatur, Graphik tagged , , , um 9:08 am von romartbib

Welcher Frankoromanist kennt nicht die sandfarbenen Bände aus dem Hause Gallimard mit dem diskreten Schriftzug der nrf oder die schon von weitem klar identifizierbaren Taschenbuchausgaben der Reihe Folio? Den Namen des Graphikers, der diese „Layouts“ entwickelt hat, kennen wohl nur wenige: Robert Massin, geboren 1925, leitete seit 1958 für 20 Jahre die durch und für ihn neu gegründete Graphikabteilung des Gallimard-Verlags und verlieh vielen der noch heute erscheinenden Reihen des Hauses ihr unverwechselbares Gesicht. Neben den eher diskreten Typographien dieser Reihen ist es vor allem die typographie expressive, mit der sich Massin einen Namen machte – insbesondere durch die Gestaltung der Texte von Eugène Ionesco.

Jetzt sind zwei Monographien zu Robert Massin erschienen, eine englischsprachige, die in den Lettres françaises besprochen wird, und ein französischer Ausstellungskatalog.

7 Februar 2008

Lest doch mal… Louis-Ferdinand Céline

Posted in Buchtipp, Französische Literatur, Literatur tagged um 7:59 am von romartbib

Das meint jedenfalls Jan Free, der auf ZEIT online in der Rubrik „Vergessene Autoren“ eine Würdigung des französischen Schriftstellers präsentiert. Céline, der hierzulande nach wie vor als Antisemit und Faschist verpönt ist und nur wenig gelesen wird, gilt in Frankreich mittlerweile als einer der wichtigsten Romanciers des 20. Jahrhunderts. Das hat er vor allem der innovativen Sprache seines Hauptwerkes „Voyage au bout de la nuit“ zu verdanken, das seit 2003 in einer neuen, vielgepriesenen Übersetzung auf Deutsch vorliegt. Jan Free:

Die Sprengkraft des Buchs findet sich im Stil: Als einer der ersten französischen Autoren verfasst er die Erzählpassagen seines Romans nicht in der üblichen Hochsprache, sondern benutzt durchgängig die ungeschönten Sprechweisen der unteren Schichten.

Ich hab das Buch schon lange zuhause im Regal, allerdings auch noch nicht gelesen…

5 Februar 2008

Les Bienveillantes von Jonathan Littell als Lektüreevent in der FAZ

Posted in Aktuell, Französische Literatur tagged , , um 10:08 am von romartbib

Das französische Literaturereignis des Jahres 2006 (Prix Goncourt, Prix de l’Académie, Bestseller) – der Roman „Les Bienveillantes“ des auf französisch schreibenden Amerikaners Jonathan Littell – ist nun ins Deutsche übersetzt („Die Wohlgesinnten„) und erscheint als Vorveröffentlichung in Auszügen in der FAZ – sowohl in der Printausgabe als Serie als auch in einem Reading Room im Netz, wo man die jeweils aktuelle Folge nicht nur lesen, sondern auch hören und sehen sowie diskutieren und kommentieren kann. Hier gibt es auch eine Einführung in das Buch von Frank Schirrmacher sowie verschiedenste Stellungnahmen bekannterer und unbekannterer Leute im „Expertenforum„.

Der aus jüdischer Familie stammende Autor Littell beschreibt in seinem Roman aus der Perspektive eines jungen SS-Offiziers ohne Reue die Geschichte der Nazi-Herrschaft und des Holocaust. Das dürfte viele Leser in Deutschland interessieren, mal sehen, inwieweit die FAZ-Initiative auch hier ein „Literaturevent“ anstößt.

Einen saftigen Gegenkommentar gibt es jedenfalls schonmal von Anne-Catherine Simon (Die Presse). Auch Gregor Dotzauer vom Berliner Tagesspiegel hält nicht viel von diesem Marketing-Vorspiel.

Jorge Semprun, der ja seinerseits bereits viel zur Erinnerungsliteratur der Nazizeit beigetragen hat, zeigt sich in einem Interview mit der FAZ (Ausgabe vom 8.2.2008) jedenfalls begeistert von dem Buch selbst (über die Art der Vermarktung äußert er sich nicht):

In gewisser Hinsicht hat Littell mit den „Wohlgesinnten“ geschaffen, was mir vorschwebte – und das zu schreiben mir nicht gelang. Die Erinnerung an den Genozid wie an die Résistance stirbt, wenn sich nicht junge, nachgeborene Schriftsteller dieser Stoffe annehmen. Bald wird es keine überlebenden Zeitzeugen mehr geben. Natürlich haben wir die Zeugnisse der Opfer und die Dokumente in den Archiven. Die Historiker werden weiter über den Zweiten Weltkrieg schreiben. Aber nur die Dichter können das Erinnern erneuern. Das hat jetzt ein vierzigjähriger Amerikaner, der Französisch schreibt, gemacht.

Der Literaturteil der ZEIT vom 14.02.2008 ist größtenteils Jonathan Littell gewidmet – die Rezensenten Iris Radisch und Harald Welzer möchten die Lektüre der „Wohlgesinnten“ aber ausdrücklich nicht empfehlen. Ebensowenig begeistert ist Georg Klein von der SZ, und Gregor Dotzauer vom Tagesspiegel hält das Buch für miserabel. Tilman Krause von der WELT hingegen hat den Roman als „aufwühlendes emotionales Abenteuer“ gelesen.

Am 20.02.08 zeigt sich Kurt Kister von der Lektüre in verschiedener Hinsicht heftig erregt und ist hin- und hergerissen in seiner Bewertung. Hannes Stein hat Littells Erstlingswerk Bad Voltage gelesen und sieht darin „Warnungen vor dem (…), was kommen wird“.
Auch in Frankreich (Le Monde des Livres vom 14.02.2008) wird die Publikation des Titels auf deutsch kommentiert und die Reaktion des deutschen Publikums mit Spannung erwartet. Hier erfährt man auch etwas über die Reaktionen auf den Roman in Italien und Spanien und die Perspektiven für die englische und die hebräische Übersetzung.

Littell selbst macht sich in Deutschland ähnlich rar wie zuvor in Frankreich. Das bisher einzige Interview ist im SPIEGEL vom 10.02.08 zu lesen, und am 28.02. wird er sich im Berliner Ensemble einer öffentlichen Diskussion mit Daniel Cohn-Bendit stellen.

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Michel Houellebecq auf der Höhe der Zeit

Posted in Film, Französische Literatur tagged um 9:41 am von romartbib

Michel Houellebecq verfilmt derzeit höchstselbst seinen Science-Fiction-Roman „La possibilité d’une île“ und arbeitet fleißig daran, das Ganze zum Event werden zu lassen: über eine eigene Website zum Film nutzt er das ganze Potential des Web 2.0 – Widgets, Videos auf YouTube, Facebook-Anwendungen etc.pp. Im Herbst soll der Film dann in die Kinos kommen…

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